Samstag, 2. August 2008

Orosi und warum Ticos Tico heissen

Ticos heissen Tico weil sie es sehr moegen die Woerter zu verniedlichen im Sinne von Kaeffchen etc. Die Endung dafuer ist normalerweise "ito", sprich aus pequeño wird pequenito. Da aber die meisten Ticos "...ico" statt "...ito" sagen, also pequenico statt pequenito, deshalb heissen die Ticos Tico... Ja ich hatte mir diese Geschichte auch aufregender vorgestellt.



Um unsere interkulturellen Kenntnissen (siehe oben) und ein wenig Spanisch zu erlernen, druecken wir fuer 2 Wochen in Orosi die Schulbank. Tobis Professorin Margoth versucht seit letzter Woche erfolgreich ihm das Spanische naeher zu bringen und Gloriana verbessert meine Grammatik und die Aussprache (ich bringe naemlich das "r" nicht korrekt raus). Jeden Tag 3 Stunden Einzelunterricht, danach etwa 2 Stunden Hausaufgaben und anschliessend Verben und Vokabeln lernen. Heute ist der 6-te Tag und wir sind voellig durch den Wind. Aber immerhin versteht Tobi jetzt so 20-30 % von dem was in unserer Gastfamilie gesprochen wird und kann immerhin schon 2,5 Zeiten begreifen, wenn auch noch nicht wirklich nutzen. Leider ist Tobi nie zufrieden mit sich, obwohl sein letzter Spanisch-Kontakt vor ueber 9 Jahren war und er fast bei null angefangen hat. Ich finde ihn ziemlich klasse und er begreift mehr als er selber weiss... Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir die Schule machen und besonders diese in diesem schnuckeligen Ort, in dem ich wirklich fuer laengere Zeit leben koennte.

Orosi selbst ist eine wunderschoene und ruhige kleine Stadt mitten in den Bergen nahe San José, etwa 20 km suedlich von Cartago. Es ist immer noch Regenzeit, der Regenschirm ist ein taeglich gebrauchter Gegenstand, aber es ist dennoch richtig schoen. Denn hier ist es sogar bei Regen trockener als in Ojochal bei Sonnenschein! Unsere Sachen trocknen hier!! Selbst wenn die Hose mal nass ist, das Handtuch nach dem Duschen trieft, eine Nacht an der Leine und die Sachen sind tatsaechlich wieder trocken. Sie riechen nicht muffig, nix schimmelt, Mensch wat´n Leben!!

Wir wohnen hier in einer sehr netten Gastfamilie, bestehend aus Luz Maria, die Mama (50), Gabriela (22) und ihre Tochter Nicole (2) und Jonathan (15). Luz Maria ist muy amable und spricht ein sehr klares und akzentuiertes Spanisch. Ausserdem kocht sie sehr lecker (Reis und Bohnen, Bohnen und Reis und Gallo Pinto... hmmm). Vor der Schule essen wir, na was wohl... Gallo Pinto, mal mit Eiern, mal mit Brot und abends gibt es typisch costariciensische Kost (oder Tobi macht Pizza...). Dabei wird permanent gesprochen und gelacht, selbst Tobi ahnt meistens worum es geht...und... mittlerweile spricht er sogar... Ist ziemlich lustig und lehrreich, auch wenn einige Jokes auf Tobis Kosten gehen. Gestern haben wir drei 40-cm Pizzen fuer die Familie und die halbe Nachbarschaft gemacht. Hat allen super geschmeckt und nun wollen sie es immer, Luz meinet wir sollen einen Pizza Lieferservice aufmachen... Und natuerlich ist es hier im Land der Machistas noch immer sehr sehr ungewoehnlich wenn ein Mann in der Kueche steht und auch noch spuelt oder den Tisch abraeumt. Die Nachbarn haben alle durch Ritzen und ueber Zaeune geschaut als Tobi im Hof (natuerlich auf einem Tisch) den Pizzateig ausgerollt habt. War so ein bischen auch ein Fest und hat viel Spass gemacht!!

Letzte Woche hat "La fiesta de los Angeles" in Cartago stattgefunden. Da gibt es wohl eine schwarze Marienstatue, die laut Erzaehlung 3 mal von einer Indianerin als Puppe fuer ihre Tochter mitgenommen wurde und am naechsten Tag verschwunden war, bzw. wieder an ihren Ursprungsort zurueckgekehrt war. Deshalb hat ein Priester entschieden, die Kathedrale von Cartago um die Maria herum zu bauen, um ihr zu huldigen... gesagt getan.... und diese Maria kann Wunder vollbringen, jaehrlich wird ein Wunsch eines Pilgers oder auch mehrere erfuellt, keine Ahnung. Jedes Jahr am heutigen Datum pilgern daher Tausende von Leuten in die Basilika (es wurden 2 Millionen erwartet!!!). Sie kommen zum Teil zu Fuss aus Nicaragua (ca. 250 km) oder reiten auf Pferden den ganzen Weg bis Cartago. Am Freitag Nachmittag z.B. machte sich Orosi fast geschlossen auf den Weg und zwar zu Fuss an der Haupverkehrstrasse entlang (23 km)... Peeeero: Yo no soy tonto (nosotros no somos tontos)!! Wir sind mit dem Bus gefahren und haben uns die Sache vor Ort angeschaut. Es gab in der Kirche drei Eingaenge, einer zum "normal" reingehen, einer fuer Rollstuehle und einer, um auf den Knien bis zum Altar zu rutschen. Ratet mal wo die laengste Schlange war?
Ach ja, Rodilla heisst Knie und nicht Rollstuhl!



Am Samstag waren wir mit Luis, einem spanisch sprechendem Giude und einer weiteren Schuelerin aus der Montaña-Linda Schule auf dem Irazu (3.432 m). Das ist ein Vulkan in der Naehe von Orosi, der angeblich nicht mehr aktiv ist. Der letzte Ausbruch dauerte 2 Jahre von 1963-65 und es wurden einige Doerfer verschuettet. Es gibt 2 Krater, wobei einer mit giftgruenem Wasser gefuellt ist, dessen Pegel in diesem Jahr stark gesunken ist, was immer das zu bedeuten hat. Die Landschaft hat mondaehnlichen Charakter und bei 3500 m ist es sogar in Costa Rica empfindlich kalt, besonders wenn die Sonne weg ist (9 Grad Celcius hatten wir und es geht noch kaelter). Zusaetzlich hat uns Luis mit vielen Infos ueber Land, Leute und Kaffeanbau gefuettert (natuerlich gabe es auch landestypisches Gebaeck, Kaffee und Frutas als Staerkung auf dem Irazu).

Der Sonntag stand dann ganz im Sinne von "wer findet Nano"... Nano ist ein Tico Mitte Vierzig, ein campesino (Bauer), der alleine in den Bergen lebt, Kaffee und Bananen anbaut und sich damit und mit der Unterhaltung von Touristen finanziert. Der Mann ist ein absolutes Unikat, sehr sympathisch, gastfreundlich und aeusserst redselig. Ich war erstaunt wieviel wir (auch Tobi) verstanden haben. Der Weg dort hin ist eigentlich ganz einfach... aber wir hatten aufgrund merkwuerdiger costaricanischer Wegbeschreibungen (es sind immer die Anderen, die Schuld haben), die den unseren nicht sehr aehnlich sind, bereits zweimal den Vorstoss zu Nano gewagt... und was soll ich sagen, wir sind zweimal gescheitert. Am Sonntag dachten wir uns also einen dritten Versuch zu starten. Und wir haben es tatsaechlich geschafft, sind dazu aber ca. 500 Hoehenmeter zu hoch gestiegen, haben einen Umweg von ca. 2 Stunden gemacht und sind ueber Pferdewiesen und Kaffeplantagen gelatscht (die Caminitos sind natuerlich aeusserst gut in Schuss nach dem ganzen Regen...). Der Weg wurde uns von Carlos gezeigt, danke, dass wir ueber sein Grundstueck laufen durften. Al final sind wir angekommen, auch wenn Nano uns rufen musste, als wir gerade an seinem Haus vorbeigelaufen sind(huestel). Wir haben einen Kaffee getrunken, nett geplaudert und sogar den Wasserfall auf seinem Grundstueck gefunden. Alles in allem ein super schoener anstrengender Tag und Nano hat uns mit seiner Lebenseinstellung schwer beeindruckt. Wie wenig man braucht, um gluecklich zu sein. Leider haben wir Deppen kein Foto von Nano gemacht.



Uuuuund wir waren MOPPED FAHREN!!! Auf dem Vulkan Turrialba... wie ich das vermisst habe (Tobi ist ja dieses Jahr schon viel gefahren). Vielen Dank an Freddy von http://www.costarica-moto.com

Dank seiner sehr genauen Wegbeschreibung und der schicken kleinen 125 er Enduros haben wir es bis nach Payaso geschafft, wo eigentlich die Schotterpiste zur Turrialba Lodge beginnen sollte. Aber wie das so ist, in der Regenzeit, mit den Touris, den Pisten und der vorrausschauenden Fuersorglichkeit der Tico´s. Keiner wollte uns die Piste zeigen. Entweder sind die Ticos stolz auf die neuen Strassen in der Gegend oder sie waren ernsthaft um unsere Gesundheit besorgt. Zum Glueck fuer uns hat sich dann doch eine Ladenbesitzerin "verplappert" und uns indirekt einen Hinweis auf die ungefaehre Richtung gegeben.
Und sie hatten alle Recht. Man sollte Touris wie uns nicht frei rumlaufen (-fahren) lassen. Was eine herrliche Piste und wat schnieke Moppeds. Wir hatten unsere Grenzerfahrungen!! Eigentlich wollten wir schon umkehren, weil fahren nicht mehr drin war. Leider trafen wir zum Glueck 2 Ticos die gerade gemeinsam ihre eigene Enduro den Berg runterschoben. Ein Rutschen und ein Tragen ueber Felsen, Krater und Schlammpfuetzen...
Diese machten uns Mut, nach dieser einen Steigung sei der Weg deutlich besser. Und als sie uns dann noch anboten beim Schieben und Tragen bergauf behilflich zu sein, konnten wir unsere Lust nicht mehr unterdruecken. Also, 3 Mann hoch, ich war fuer das gepaeck verantwortlich und Tobi und die beiden Tico haben geschoben. (Freddy, danke, bitte ab jetzt weghoeren) Kupplung im Anschlag, Spiel mit dem Gas und versuchen beim Mitlaufen nicht wegzurutschen und die Kiste aufrecht halten. Das Ganze 2 mal und es war geschafft. Tobi uebrigens auch, er brauchte danach erstmal 30 Minuten um seine ehemalige Raucherlunge wieder unter Kontrolle zu bekommen. Aber es war geschafft... dachten wir. Einer der Hombres merkte dann noch an, etwa 150 Meter weiter sei eine weitere nicht ganz einfache Stelle... wie recht er hatte. Wir haben es wirklich versucht, aber die Steigung, die Hoehenluft, die eigenen Faehigkeiten, alles sprach gegen uns. Nach 15 Metern ging wieder nix. Und wieder dasselbe Spiel, 3 Mann und eine Frau im Kampf gegen den Berg. Und... otra vez... die Rede kam auf die vierte Steigung und wir waren inzwischen fast 1 km von dem Mopped unserer Retter und Verfuehrer entfernt, die einen Heidenspass dabei entwickelten Tobi beim atmen (Keuchen) und mir beim Schmunzeln zuzuschauen. Aber, schlussendlich, waren wir geschafft und obenauf. Hombre 1 und 2 ueberliessen uns unserem Schicksal, mit einer weiteren typisch costaricanesischen Wegbeschreibung (immer geradeaus). Wir hielten uns dann daran, die Strecke war super, aufregend, anstrengend und mit tollen Ausblicken. Irgendwann ging es dann wieder bergab, tolle Piste, nicht zu leicht, nicht zu schwer, alles suppi. Nur am Ende der Piste kamen wir genau 120 Meter vor der Einfahrt in unser Abenteuer wieder heraus. Und zwar vermutlich auf dem schoenen und einfacheren Weg den Freddy fuer uns vorgesehen hatte. Soviel zu Wegbeschreibungen in CR.
Aber es war eine tolle Fahrt, die sich dann auf Asphalt und traumhaften Strecken mit tollen Kurven und viel Ausblick fortgesetzt hat. Das naechste Mal wird es aber in fremden Laendern doch die gefuehrte Tour sein, ausser auf unserer eigenen Weltreise. Und wenn ihr mal in CR seid, fahrt Mopped, denn dette lohnt sich!! Und schaut unbedingt bei Freddy und Franzi von motocom vorbei, denn sie sind super nette Moppedfahrer, die klasse Tipps geben koennen. Wir sind am Tag unserer Tour gleich von ihnen zum grillen eingeladen worden und mittlerweile hatten wir schon mehrere nette Abende zusammen. Am Sonntag haben wir uns an Karaoke erfreut und zum Glueck mussten wir nicht singen...

Ende Teil 1 von "Andrea + Toby auf Reisen", dieser Post hat mich ganze 7 Stunden im Internetcafé gekostet! Bilder gibt es wie immer bei Klick auf´s kleine FOTTO ganz unten

Orosi, die spanische Sprache und andere Abenteuer

5 Kommentare:

Am/um 7. August 2008 um 06:15 , Anonymous Anonym meinte...

Hallo, Ihr Lieben,
in CR sind selbst die Parasiten schön :O)
Tolle Fotos !
Bin gerade zurück aus'm Weserbergland (is nich so spektakulär....aber war schee) mit Gesine, Antje und noch 25 Mädels, hat Spaß gemacht, trotzdem das Wetter wieder Striche durch so manche Rechnungen strich :O)

Ich wünsche Euch noch viel Spaß und freue mich auf alle Berichte, wenn Ihr -mal kurz- wieder zurück seid.
'n Drücker PIA

 
Am/um 12. August 2008 um 13:23 , Blogger Sabine meinte...

Hallo Andrea,
Deine Berichte und Fotos machen Lust auf mehr und sind ine schöne Abwechslung im deutschen Alltag.
Vor zwei Wochen war ich mal wieder mit sister-act HH auf dem Ring. Hat super viel Spaß gemacht und die Kurven flutschen wieder richtig gut.
Findet die Türkeireise eigentlich diese Jahr wieder statt?
Ich wünsche Dir und Tobi noch eine schöne Zeit mit vielen Erlebnissen.
Liebe Grüße von Sabine aus Hannover

 
Am/um 14. August 2008 um 04:37 , Anonymous Anonym meinte...

Hallo Ihr zwei Hübschen,

der neueste Blogeintrag ist ja wieder sensationell!
Total interessant und lustig geschrieben und die Bilder sind einfach spitze!

Auch wenn Du Andrea, für diesen Eintrag 7 Std. gebraucht hast, - ich dank Dir aus der Ferne dafür, Dich / Euch so ein wenig begleiten so können.

Weiter so!
Gabi aus X-berg

 
Am/um 14. August 2008 um 04:37 , Anonymous Anonym meinte...

Hallo Ihr zwei Hübschen,

der neueste Blogeintrag ist ja wieder sensationell!
Total interessant und lustig geschrieben und die Bilder sind einfach spitze!

Auch wenn Du Andrea, für diesen Eintrag 7 Std. gebraucht hast, - ich dank Dir aus der Ferne dafür, Dich / Euch so ein wenig begleiten so können.

Weiter so!
Gabi aus X-berg

 
Am/um 14. August 2008 um 04:38 , Anonymous Anonym meinte...

Hallo Ihr zwei Hübschen,

der neueste Blogeintrag ist ja wieder sensationell!
Total interessant und lustig geschrieben und die Bilder sind einfach spitze!

Auch wenn Du Andrea, für diesen Eintrag 7 Std. gebraucht hast, - ich dank Dir aus der Ferne dafür, Dich / Euch so ein wenig begleiten so können.

Weiter so!
Gabi aus X-berg

 

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